Eine kurze Beschreibung des Projektes "Jugendhilfe vor Ort in pädiatrischen Praxen"

 

Im April 2017 starteten wir das Projekt „Jugendhilfe vor Ort in pädiatrischen Praxen“, dass vom „Europäischen Sozialfond (ESF)“ und dem Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wurde. Vorerst war die Laufzeit bis Dezember 2018; eine Weiterführung des Projektes wurde durch eine Spende bis 9/2019 ermöglicht.

  • Ziel war Projektes ist, die Kooperation zwischen Jugendhilfe und Gesundheitshilfe zu verbessern und zu intensivieren und so notwendige Hilfen möglichst frühzeitig für Kinder und Jugendliche und ihre Familien einleiten zu können.

Kinder- und JugendärztInnen finden neben der medizinischen Behandlung wenig Zeit, um mit ihren Patienten über Probleme oder Alltagssorgen zu sprechen. Auch fehlt den MedizinerInnen – nach eigenen Angaben – die Erfahrung im Umgang mit psychosozialen Belastungen ihrer PatientInnen. Hier soll die regelmäßige Präsenz einer Jugendhilfekraft in den Praxen den ÄrztInnen ermöglichen, die PatientInnen bei Bedarf an die Fachkraft weiterzuleiten. So soll diese Hilfe sehr niedrigschwelligen Zugang zum Hilfesystem ermöglichen.

Die Familien suchen ihre ÄrztInnen freiwillig auf und kommen mit der Grundhaltung von Ratsuchenden. In dieser Offenheit werden viele bereit sein, der Empfehlung des/r ÄrztInnen zu folgen und die Unterstützung der sozialpädagogischen Beratung in Anspruch zu nehmen. Die kurzen Wege tun ihr übriges.

Zwei sozialpädagogische Fachkräfte des Kinderschutz-Zentrums haben in den Praxisräumen der acht teilnehmenden ÄrztInnen diese Beratungen angeboten. Sie haben feste Präsenzzeiten vorgehalten und die Familien vor Ort beraten. Zusätzliche Settings waren z.B. Hausbesuche. Bei umfänglichen Bedarfen einer Familie wurde auch an kooperierende Institutionen, möglichst wohnortnah begleitet und weiter vermittelt.

 

Unsere Erwartungen waren, dass vor allem benachteiligte Kinder früher bemerkt werden

und dass Familien mit besonderen Belastungen wie z.B. Armut, Arbeitslosigkeit, Alleinerziehen, Migrations- oder Fluchterfahrungen, psychische Erkrankungen eines Elternteils, Suchtproblematik u.ä. dadurch schon sehr frühzeitig Unterstützung erhalten können. Die Entwicklungsrisiken der betroffenen Kinder konnten so auch schon präventiv diagnostiziert und bearbeitet werden.

Die positiven Beratungserfahrungen der Familien solltenen den Zugang zu lokalen Helfersystemen, auch zu den Jugendhilfediensten, erleichtern bzw. ermöglichen.

Das Projekt wurde durch Frau Prof. Denner, FH Dortmund evaluiert; die Ergebnisse der Evaluation wurden Ende 2018 der Fachöffentlichkeit vorgestellt und im Sozialmagazin veröffentlicht.
Der Artikel steht auf hier zum Download bereit.

 

Erreichte Familien im Projekt „VorOrt – Jugendhilfe in Kinderarztpraxen“

 

bis 12.2018

ab 2019 (bis Juni)

Familien, gesamt (stattgefundene Termine)

229

98

Familien mit Migrationshintergrund

107

46,7%

46

46,9%

Familien mit Kindern unter

3 Jahren

101

44,1%

44

44,9%

Familien mit Kindern unter

1 Jahr

10

4,4%

10

10,2%